Die psychische Gesundheit am Arbeitsplatz ist ein wichtiges Thema. Genau deswegen ist es von Vorteil, sich mit Stress auseinanderzusetzen. Stress am Arbeitsplatz begegnet uns tagtäglich und das Job-Demands-Modell setzt sich mit dessen Entstehung auseinander. Wird das Modell verstanden und richtig angewendet, lassen sich Arbeitsanforderungen und -ressourcen analysieren. Mithilfe dieser Analyse kann Stress präventiv behandelt und somit vermieden werden.
Jeder kennts, Donnerstags sitzt du im Büro und die Projekte stapeln sich auf deinem Tisch. Die Abgabetermine der Projekte rücken bedrohlich näher und deine Vorgesetzte setzt dich unter Druck. Sie fordert immer mehr von dir, obwohl der Lärm der Baustelle nebenan deine Aufmerksamkeit enorm beeinträchtigt. Zusätzlich kommt ein gestresster Mitarbeiter auf dich zu, welcher deine Hilfe dringendst benötigt. Genervt gehst du deinen weiteren Arbeiten nach.
So oder so ähnlich haben wir wohl alle schonmal einen Arbeitstag erlebt. Die genannten Beispiele sind alles Faktoren, welche bei dir Stress auslösen könnten. Doch was ist Stress, wie entsteht er und wie kann er vermieden werden? Dies wird in diesem Blogbeitrag genauer erläutert.
Was ist Stress?
Laut Greif und Cox (1997) ist Stress ein subjektiv intensiver und unangenehmer Spannungszustand. Dieser Spannungszustand resultiert aus der Befürchtung, dass eine subjektiv stark aversive und lang andauernde Situation nicht kontrollierbar ist. Die Vermeidung dieser Situation scheint jedoch aus Sicht der Person als enorm wichtig.
Übertragen wir dies nun auf das Beispiel von oben. Der negative Stress (Distress) wird ausgelöst durch die verschiedenen Ursachen (Stressoren). Die Stressoren sind dementsprechend die Deadlines der Projekte, der Lärm der Baustelle und die schlechte Kommunikation der Vorgesetzten und Mitarbeiter. Diese Faktoren lassen sich nicht vollständig kontrollieren. Dies verursacht einen subjektiven Spannungszustand des Mitarbeiters, welcher die Situation jedoch nicht vermeiden kann.
Wie entsteht Stress?
Für die Entstehung von Stress gibt es verschiedene Modelle. In diesem Beitrag wird das Job-Demands-Modell von Bakker und Demerouti (2007) verwendet. Bei diesem Modell stehen die Prozesse der Arbeitsanforderungen und -ressourcen im Mittelpunkt. Die Ausprägung dieser Prozesse bestimmten die organisationalen Folgen. Die organisationalen Folgen sind hierbei entweder Arbeitsengagement oder gesundheitliche Beeinträchtigungen.

Arbeitsanforderungen:
Teil der ersten Prozesse der Arbeitsanforderungen sind physische, psychische, soziale und organisatorische Aspekte. Diese Aspekte werden unterschieden zwischen hindernd und herausfordernd. Hindernde Arbeitsanforderungen im oben genannten Beispiel sind die laute Baustelle oder die näher rückenden Abgabetermine. Herausfordernde Arbeitsanforderungen wären eine verminderte Anzahl von Projekten, welche gleichzeitig bearbeitet werden müssen.
Arbeitsanforderungen haben einen direkten Einfluss auf die Gesundheit. Bei langanhaltender negativer Arbeitsanforderung können gesundheitliche Folgen entstehen, wie beispielsweise das Burnout.
Burnout ist ein Zustand der Erschöpfung. Dieser kann sich körperlich oder emotional äussern und basiert meist auf beruflicher Überlastung.
Arbeitsressourcen:
Am Anfang des zweiten Prozesses stehen die Arbeitsressourcen. Diese sind Bedingungen, welche die Arbeitsprozesse ermöglichen, vereinfachen und die Entwicklung anregen. Dazu gehören beispielsweise:
- Aufgabenvielfalt
- Selbstbestimmung
- Soziale Umfeld
- Sicherheit und Anreize der Organisation
Werden Arbeitsressourcen unterstützt und richtig eingesetzt, so fördern sie positiven Stress (Eustress). Arbeitsressourcen haben einen direkten Einfluss auf die Motivation und bieten einen Puffer für hohe Arbeitsanforderungen. Sind die Ressourcen jedoch mangelhaft vorhanden, so entsteht eine Distanzierung des Mitarbeiters zum Unternehmen.
Balance zwischen Anforderungen und Ressourcen:
Sind nun die Arbeitsressourcen und Arbeitsanforderungen in Balance zueinander, so entsteht ein positives Arbeitsengagement. Bei einer hohen Arbeitsmotivation arbeitet der/die Mitarbeiter/in mit erhöhter Hingabe, einer gesunden Absorption und Vitalität.

Dies äussert sich durch verschiedene Faktoren. Beispielsweise eine verbesserte Konzentration, ein hohes Mass an Energie oder das Angehen von herausfordernden Aufgaben sein.
Sind die beiden Prozesse jedoch in einer negativen Balance und die Arbeitsanforderungen sind hindernd, so entsteht Distress. Hält dieser Distress über einen längeren Zeitraum an, so besteht die Gefahr einer psychischen oder physischen gesundheitlichen Beeinträchtigung. Darunter fällt beispielsweise das erwähnte Burnout.
Prävention angewendet auf das Anfangsbeispiels:
Da wir die Entstehung von Stress nun kennen, können wir entsprechend präventive Massnahmen treffen und die Arbeitsanforderungen in einem gesunden Rahmen halten. Beim Anfangsbeispiel können die Stressoren beeinflusst werden. Durch eine Verminderung der verschiedenen Projekte durch die Arbeitgeberin kann die subjektive Wahrnehmung des Mitarbeiters positiv geändert werden.
Ein weiterer Stressor ist die Baustelle. Dieser Störfaktor kann durch lärmunterdrückende Kopfhörer unterdrückt werden. Im Falle einer Bereitstellung der Arbeitsressourcen und der Reduzierung der Anforderungen, kann der Distress minimiert werden und als Eustress wahrgenommen werden (S. 310).
In einem Video von Jonas Jaromir Schmidt wird das Job-Demands-Modell anhand von Praxisbeispielen gut aufgezeigt. Ebenfalls erklärt er, was bei einer Unausgeglichenheit der Prozesse geschehen kann. Falls Interesse besteht, kommt ihr hier zum Video.
Literaturverzeichnis:
Kauffeld, S. (2018). Arbeits-, Organisations- und Personalpsychologie Für Bachelor (3. Aufl.). Springer Berlin / Heidelberg.
Bakker, A. B., & Demerouti, E. (2007). The Job Demands‐Resources model: State of the art. Journal of Managerial Psychology, 22(3), 309–328. https://doi.org/10.1108/02683940710733115
Abbildungsverzeichnis:
Abbildung Titelbild: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/9/98/Work_Related_Stress_Illustration.jpg
Abbildung Job-Demands-Modell: https://link.springer.com/article/10.1007/s41449-018-0100-4
Abbildung Balance-Burnout: https://www.pexels.com/de-de/foto/ausbrennen-mude-kontroll-liste-oben-6837777/
